Ischias oder Bandscheibe? So unterscheiden Sie die Schmerzen

Von Christian Specht, Osteopath & Heilpraktiker

Physiotherapeut prüft Ischiasschmerz mit angehobenem gestrecktem Bein

Das Wichtigste in Kürze

„Ischias“ ist keine Diagnose, sondern beschreibt einen Schmerz, der vom Gesäß ins Bein zieht. Ein Bandscheibenvorfall ist nur eine von mehreren möglichen Ursachen. Ebenso häufig sind ein verspannter Piriformis-Muskel, eine Blockade des Kreuz-Darmbein-Gelenks oder gereizte Wirbelgelenke. Der Unterschied liegt in der Ausbreitung des Schmerzes, den Begleitzeichen und dem Verhalten bei Bewegung. Eine körperliche Untersuchung klärt das meist in einer Sitzung.

Was „Ischias“ eigentlich bedeutet

Der Ischiasnerv ist der dickste Nerv des Körpers. Er entspringt aus mehreren Nervenwurzeln der unteren Wirbelsäule, verläuft unter dem Gesäßmuskel hindurch und zieht an der Rückseite des Oberschenkels bis in den Fuß. Wird er irgendwo auf diesem Weg gereizt, spüren Sie das als ziehenden, brennenden oder elektrisierenden Schmerz entlang seines Verlaufs.

Wo genau die Reizung sitzt, entscheidet über die Behandlung. Direkt an der Wirbelsäule kann eine Bandscheibe drücken. Weiter unten kann ein verspannter Muskel den Nerv einengen. Deshalb lohnt sich der genaue Blick.

Bandscheibe oder etwas anderes? Die Unterschiede

Eine Faustregel gibt es nicht, aber einige Merkmale weisen in die eine oder andere Richtung.

Für einen Bandscheibenvorfall spricht:

  • Der Schmerz zieht klar abgegrenzt bis unter das Knie, oft bis in Fuß oder Zehen.
  • Es gibt Taubheit oder Kribbeln in einem bestimmten Hautbereich, etwa an der Außenseite des Unterschenkels.
  • Husten, Niesen und Pressen verschlimmern den Schmerz.
  • Sitzen ist kaum auszuhalten, Gehen geht besser.

Für eine muskuläre Ursache, etwa das Piriformis-Syndrom, spricht:

  • Der Schmerz beginnt tief im Gesäß und wird dort durch Druck ausgelöst.
  • Er zieht oft nur bis zum Knie, selten bis in den Fuß.
  • Langes Sitzen auf harten Flächen und Treppensteigen verstärken ihn.
  • Es gibt keine echte Taubheit, eher ein dumpfes Ziehen.

Für das Kreuz-Darmbein-Gelenk (ISG) spricht:

  • Der Schmerz sitzt einseitig neben dem Kreuzbein und zieht in die Leiste oder den hinteren Oberschenkel.
  • Das Umdrehen im Bett und das Aufstehen aus dem Sitzen sind besonders unangenehm.

Ein einfacher Selbsttest

Legen Sie sich auf den Rücken. Eine zweite Person hebt Ihr gestrecktes, schmerzendes Bein langsam an. Zieht der bekannte Schmerz schon zwischen 30 und 60 Grad bis unter das Knie, ist eine Nervenwurzelreizung wahrscheinlich, häufig durch eine Bandscheibe. Schmerzt es erst weiter oben und vor allem an der Rückseite des Oberschenkels, sind meist die Muskeln verkürzt. Der Test ersetzt keine Untersuchung, gibt aber einen ersten Hinweis.

Ziehen im Bein, das nicht nachlässt?

In einer Untersuchung finden wir heraus, wo der Nerv gereizt wird – und behandeln gleich gezielt.

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Was hilft – je nach Ursache

In unserer Praxis in Bückeburg klären wir die Ursache meist schon in der ersten Sitzung, die Untersuchung dauert etwa 30 Minuten. Bei einem Bandscheibenvorfall stehen Entlastung, sanfte Bewegung und später der Aufbau der Rumpfmuskulatur im Vordergrund. Wie das konkret aussieht, lesen Sie in unserem Beitrag zum Bandscheibenvorfall an der Lendenwirbelsäule.

Beim Piriformis-Syndrom lösen wir die Spannung im Gesäßmuskel mit den Händen und zeigen Ihnen Dehnungen, die Sie täglich wiederholen. Eine bewährte Übung: In Rückenlage den Knöchel des betroffenen Beins auf das andere Knie legen und den Oberschenkel zum Körper ziehen, bis es im Gesäß zieht. Dreißig Sekunden halten, drei Wiederholungen.

Beim ISG mobilisieren wir das Gelenk und kümmern uns um die Muskeln, die es aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Oft ist die Erleichterung schon nach der ersten Behandlung spürbar, dauerhaft wird sie durch Kräftigung von Gesäß und Rumpf.

Egal, welche Ursache dahintersteckt: Bleiben Sie in Bewegung. Schonung verlängert den Schmerz in fast allen Fällen. Warnzeichen wie Taubheit im Genitalbereich, Blasenstörungen oder eine Lähmung gehören dagegen sofort in ärztliche Hände.

Häufige Fragen

Brauche ich ein MRT, um den Unterschied zu erkennen?

Meist nicht. Die körperliche Untersuchung liefert in den allermeisten Fällen die Antwort. Ein MRT ist sinnvoll, wenn Lähmungen auftreten, der Schmerz trotz Behandlung über Wochen bleibt oder eine Operation im Raum steht.

Kann Ischiasschmerz von allein verschwinden?

Ja, häufig sogar. Muskuläre Ursachen bessern sich mit Bewegung und Dehnung oft innerhalb weniger Wochen. Ohne Änderung der Gewohnheiten kommt der Schmerz allerdings gern zurück.

Hilft Wärme oder Kälte?

Bei muskulären Ursachen hilft Wärme, weil sie die Spannung löst. Bei einer akut gereizten Nervenwurzel empfinden manche Patienten Kälte als angenehmer. Probieren Sie beides in kurzen Anwendungen aus und bleiben Sie bei dem, was Ihnen guttut.

CS

Über den Autor

Christian Specht – Osteopath & Heilpraktiker

Mitinhaber der Therapie Praxis Specht & Waschkowski in Bückeburg und Rinteln. Schreibt hier über das, was in der Praxis täglich auf dem Tisch liegt: Rücken, Schulter, Kopf und die Frage, was man selbst tun kann.

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