Bandscheibenvorfall LWS: Was Sie selbst tun können – und wann Sie zum Arzt müssen

Von Christian Specht, Osteopath & Heilpraktiker

Physiotherapeutin behandelt Patienten mit Bandscheibenvorfall in Stufenlagerung

Das Wichtigste in Kürze

Die meisten Bandscheibenvorfälle an der Lendenwirbelsäule bessern sich innerhalb von sechs bis zwölf Wochen ohne Operation. Entscheidend ist, in Bewegung zu bleiben und die Belastung schrittweise zu steigern. Taubheit im Gesäß- oder Genitalbereich, Probleme beim Wasserlassen oder eine zunehmende Schwäche im Bein sind dagegen ein Notfall: In diesem Fall gehen Sie sofort zum Arzt.

Woran Sie einen Bandscheibenvorfall erkennen

Beim Bücken schießt es in den Rücken, und wenig später zieht der Schmerz bis ins Bein. Ist das schon ein Bandscheibenvorfall? Längst nicht jeder Rückenschmerz hat mit der Bandscheibe zu tun, doch einige Anzeichen sprechen dafür.

  • Der Schmerz strahlt über das Gesäß bis unter das Knie aus, oft bis in den Fuß.
  • Es kribbelt oder fühlt sich taub an, meist in einem klar abgegrenzten Bereich des Beins.
  • Husten, Niesen oder Pressen verstärken den Schmerz deutlich.
  • Sitzen ist schlimmer als Gehen, morgens ist es oft am schlechtesten.

Ein reiner Rückenschmerz ohne Ausstrahlung ist deutlich häufiger auf Muskeln, Gelenke oder Bänder zurückzuführen. Ob wirklich die Bandscheibe die Ursache ist, klärt eine gründliche Untersuchung, in unklaren Fällen ergänzt durch ein MRT beim Arzt.

Wie es zum Vorfall kommt

Die Bandscheibe besteht aus einem festen Faserring und einem weichen Kern. Wird der Faserring über Jahre mürbe, kann der Kern nach außen drücken und auf eine Nervenwurzel treffen. Der berühmte Wasserkasten ist dabei selten der wahre Grund, sondern nur der letzte Anstoß. Langes Sitzen, wenig Bewegung und eine schwache Rumpfmuskulatur haben die Bandscheibe meist schon vorher geschwächt.

Die gute Nachricht: Der Körper baut das vorgefallene Gewebe in vielen Fällen von selbst wieder ab. Deshalb heilen die meisten Vorfälle ohne Operation aus.

Was Sie jetzt selbst tun können

Bettruhe verlängert die Beschwerden in aller Regel. Besser sind kurze, schmerzarme Bewegungseinheiten, mehrmals am Tag. Diese drei Dinge zeigen wir unseren Patienten in den ersten Tagen:

1. Entlastungslage finden

Legen Sie sich auf den Rücken und lagern Sie die Unterschenkel auf einem Stuhl oder Hocker, sodass Hüfte und Knie etwa rechtwinklig gebeugt sind. Diese Stufenlagerung nimmt Druck von der Lendenwirbelsäule. Zehn bis fünfzehn Minuten, so oft es der Tag erlaubt.

2. Beckenkippen in Rückenlage

In Rückenlage mit aufgestellten Beinen kippen Sie das Becken langsam nach hinten, sodass sich der untere Rücken sanft in die Unterlage drückt, und lassen wieder los. Zehn Wiederholungen, im schmerzfreien Bereich. Die Übung bringt Bewegung in die Wirbelsäule, ohne sie zu belasten.

3. Kurze Gehstrecken

Gehen ist die natürlichste Bewegung für die Wirbelsäule. Beginnen Sie mit fünf Minuten auf ebenem Boden und steigern Sie täglich. Sobald der Schmerz ins Bein zieht, machen Sie eine Pause und versuchen es später noch einmal.

Wärme auf dem unteren Rücken entspannt die Muskulatur. Schmerzmittel können in der akuten Phase sinnvoll sein, damit Sie überhaupt in Bewegung kommen; besprechen Sie das mit Ihrem Arzt.

Unsicher, was hinter Ihren Schmerzen steckt?

Wir untersuchen Sie gründlich und erklären Ihnen, was los ist – in Bückeburg, meist innerhalb weniger Tage.

Termin online buchen

Warnzeichen: Wann Sie sofort zum Arzt müssen

Selten drückt ein Vorfall so stark auf die Nerven, dass es zum Notfall wird. Diese Zeichen dulden keinen Aufschub:

  • Taubheit im Gesäß-, Genital- oder Analbereich (Reithosengefühl)
  • Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang, etwa ein plötzlich fehlendes Gefühl dafür
  • Eine zunehmende Lähmung, zum Beispiel wenn der Fuß beim Gehen hängt oder Sie nicht mehr auf die Zehenspitzen kommen

In diesen Fällen fahren Sie direkt in die Notaufnahme. Auch ein Vorfall ohne diese Zeichen gehört ärztlich abgeklärt, wenn der Schmerz nach zwei Wochen nicht nachlässt.

So behandeln wir in der Praxis

Viele Patienten aus Bückeburg und Umgebung kommen mit einem frischen Bandscheibenvorfall direkt nach dem Arztbesuch zu uns. Gut so, denn die ersten Wochen entscheiden über den Verlauf. Am Anfang steht bei uns eine ausführliche Untersuchung: Wo sitzt der Schmerz, was verstärkt ihn, was lindert ihn, welche Bewegungen sind eingeschränkt? Daraus entsteht ein Plan, den Sie zu Hause weiterführen können. Physiotherapie und osteopathische Techniken greifen dabei ineinander. Mit den Händen lösen wir Spannungen in Muskulatur und Gelenken, mit gezielten Übungen bauen wir die Stabilität wieder auf, die die Bandscheibe künftig schützt.

Ein typischer Verlauf: In den ersten zwei Wochen geht es um Schmerzlinderung und Entlastung. Danach steigern wir die Belastung Schritt für Schritt, bis Sie wieder sicher heben, sitzen und Sport treiben können. Wer diesen Weg konsequent geht, hat gute Chancen, dass es beim einen Vorfall bleibt.

Häufige Fragen

Muss ein Bandscheibenvorfall operiert werden?

In den meisten Fällen nicht. Eine Operation wird erwogen, wenn Lähmungen oder Blasenstörungen auftreten oder wenn starke Schmerzen trotz konsequenter Behandlung über Monate bestehen bleiben.

Brauche ich ein Rezept für die Physiotherapie?

Mit einer Verordnung vom Arzt übernimmt die Krankenkasse den größten Teil der Kosten. Sie können auch ohne Rezept zu uns kommen: Als Heilpraktiker dürfen wir Sie direkt untersuchen und behandeln, die Kosten tragen Sie dann selbst oder reichen sie bei einer Zusatzversicherung ein.

Wie lange dauert es, bis der Schmerz weg ist?

Die meisten Patienten spüren nach zwei bis drei Wochen eine deutliche Besserung. Bis der Vorfall ganz ausgeheilt ist, vergehen oft zwei bis drei Monate. Kribbeln oder Taubheit können länger bleiben als der Schmerz.

Darf ich mit Bandscheibenvorfall Sport machen?

Ja, sobald der akute Schmerz nachlässt. Gehen, Radfahren auf ebener Strecke und Schwimmen sind ein guter Einstieg. Sportarten mit Sprüngen und Drehungen kommen später dazu, wenn die Rumpfmuskulatur wieder trägt.

CS

Über den Autor

Christian Specht – Osteopath & Heilpraktiker

Mitinhaber der Therapie Praxis Specht & Waschkowski in Bückeburg und Rinteln. Schreibt hier über das, was in der Praxis täglich auf dem Tisch liegt: Rücken, Schulter, Kopf und die Frage, was man selbst tun kann.

Termin vereinbaren

Physiotherapie, Osteopathie und Ergotherapie in Bückeburg – online buchen, meist innerhalb weniger Tage.

Termin online buchen 057 22 - 281 93 00
Therapie Praxis Specht & Waschkowski
Bethelweg 7, 31675 Bückeburg

Das könnte Sie auch interessieren

Beschwerden, die nicht weggehen?
Lesen hilft beim Verstehen. Behandeln tun wir. Buchen Sie Ihren Termin direkt online – in unserer Praxis in Bückeburg.
Bückeburg
Bethelweg 7
057 22 - 281 93 00
Termin buchen